Zehntausende Microsoft E-Mail-Server wegen Sicherheitslücke gehackt

Die Sicherheitslücken im weit verbreiteten Exchange E-Mail- und Kommunikationssystems von Microsoft stehen bei jedem zweiten betroffenen Server noch immer offen.

Eine am Montag veröffentlichte Analyse des finnischen Softwareunternehmens F-Secure ergab das bisher auf weniger als 50 Prozent die entsprechenden Sicherheitspatches eingespielt wurden. «Es könnte also sein, dass deswegen die Anzahl der Angriffe in den nächsten Tagen und Wochen stark steigt», sagte F-Secure-Experte Rüdiger Trost. «Das Ausmaß des Schadens – also nicht nur finanziell, sondern auch datenschutzrechtlich – wäre katastrophal.»

Deutschland liege bei der Intensität der Angriffe derzeit noch auf Platz zwei hinter Italien, sagte Trost. «Aber die Deutschen kommen wohl nicht mit dem Patchen hinterher und könnten nächste Woche an Italien vorbeiziehen.» Die USA sind dagegen weniger stark betroffen, weil hier Unternehmen und Organisationen oft nicht mehr selbst die Exchange-Server betreiben, sondern die Kommunikationssoftware aus der Cloud beziehen. Die Cloud-Variante von Exchange war von der Sicherheitslücke nicht betroffen.

Dirk Arendt, Experte beim Sicherheitsunternehmen Trend Micro Deutschland, sagte, gerade in Behörden, aber auch in vielen Unternehmen, herrsche noch immer eine große Skepsis gegenüber cloudbasierten Infrastrukturen vor. Er sprach von einem «trügerischen Gefühl von Sicherheit» bei selbst betriebenen Systemen. Grundlegende Sicherheitsmaßnahmen wie regelmäßiges und schnelles Patchen von Schwachstellen würden vernachlässigt. «Die Folgen können fatal sein.» Viele IT-Administratoren seien chronisch überlastet – nicht nur aber gerade auch im öffentlichen Dienst.

In den vergangenen Wochen entdeckte Microsoft mehrere Schadprogramme, die Sicherheitslücken in seinem Exchange Server ausnutzen. Darauf folgend wurden Sicherheitsupdates veröffentlicht, mit denen die Lücken geschlossen werden sollten. Das einspielen dieser Updates liegt allerdings in der Obhut der IT-Administratoren der Unternehmen die einen lokalen Exchange Server in Betrieb haben.